Was braucht eine letzte Zeile?

letzte Zeile

Es wird viel über die erste Zeile geschrieben, sei es die erste Zeile in einem Buch oder die in einem Kapitel. Über die letzte Zeile in einem Kapitel liest man weniger. Das ist möglicherweise ein Hinweis darauf, wie undankbar die Aufgabe der letzten Zeile ist.

Was passiert am Ende eines Kapitels?

Am Ende des Kapitels haben die Leser*innen die Charaktere durch eine Phase der Handlung begleitet. Im besten Fall hat sich die Ereignisse spannend entwickelt und die Leser*innen wollen unbedingt wissen, was als nächstes passiert. Der letzte Satz soll dieses Wunsch verstärken.

Wir könnten vermuten, dass er zum nächsten Kapitel überleitet. Andererseits wissen wir, dass das nächste Kapitel nicht zwangsläufig an die Ereignisse im abgeschlossenen Kapitel anschließt. Im schlimmsten Fall müssen wir die Enttäuschung ertragen, nicht sofort zu erfahren, wie es weitergeht.

Die letzte Zeile und ihre Funktion

Wie die letzte Zeile aussieht, hängt stark davon ab, was vorher passiert ist. Ihr Ziel ist immer die Manipulation der Leser*innen.

  1. Die letzte Zeile kann uns anstacheln, einfach weiterzulesen. Das macht sie, wenn kurz vor dem Ende des Kapitels eine neue Entwicklung einsetzt. Dann reicht es, wenn mit dem letzten Satz die Handlung abbricht. die Leser*innen wollen wissen, was als nächstes passiert.
  2. Vorstellbar ist, dass sich die Spannung durch das Ausbleiben von einem erwarteten Ereignis aufgebaut hat. Wenn die Charaktere diese Spannung nicht mehr ertragen und unbedacht handeln, kann der letzte Satz eine katastrophale Wendung andeuten. Die Leser*innen wollen erfahren, worin die Wendung besteht.
  3. Vielleicht endet das Kapitel mit einer unklaren Situation. Eine Frage kann auf mögliche Entwicklungen verweisen. Die Leser*innen möchten erfahren, welche der Möglichkeiten eintritt.
  4. Das Kapitel kann einem Tiefpunkt enden, an dem für die Charaktere scheinbar keine weitere Entwicklung möglich ist. Der letzte Satz bemüht sich, diesen Eindruck zu verstärken.
  5. Ein Tiefpunkt ist erreicht, an dem die Guten in einer ausweglosen Situation gefangen sind und die Bösen sich sicher fühlen. In der letzten Zeile deutet sich Hoffnung an.
  6. Viel zu früh scheinen alle Probleme gelöst zu sein, nur die vielen ungelesenen Seiten geben einen Hinweis darauf, dass noch lange nicht alles gut sein kann. Im letzten Satz beginnt eine neue negative Entwicklung.

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