Der Unterschied zwischen Vermarkten und Verkaufen

 Im Deutschen gibt es den Ausdruck „Seine Haut zu Markte tragen“. Viele verstehen den Ausdruck in dem Sinne, dass jemand sich oder seine Haut oder etwas ihm Wichtiges verkauft. In dieser Deutung spiegelt sich das Missverständnis, Vermarkten und Verkaufen sei das Gleiche.

Nicht alles auf dem Markt wird auch verkauft.

Solange Bücher fast ausschließlich von Verlagen herausgebracht und über Buchhandlungen verkauft wurden, konnten Autoren mit den Schultern zucken, wenn man sie nach dem Unterschied von Vermarkten und Verkaufen fragte. Mittlerweile konzentrieren sich Verlage zunehmend auf erfolgreiche Titel und Autoren, Self-Publishing oder Kleinverlage werden dagegen als Veröffentlichungsmöglichkeit immer beliebter. Wer seine eigene Haut, sein Produkt Buch und damit einen Teil von sich zu Markte trägt, ist beraten sich Gedanken über die Welt auf dem Markt zu machen. Autoren, die ihre Bücher selbst an die Leserin bringen möchten, sollten sich darum den Unterschied zwischen den beiden Prozessen bewusst machen.

Marketing

Marketing ist, ohne Jargon der Betriebswirtschaftler, ein Prozess, bei dem Anbieter (Autor, Verlag) und Kunden (Leser) in einem Austausch von Ideen und Vorstellungen stehen. Der Autor oder der Verlag

  • findet heraus, welche Leser an welcher Art Büchern interessiert sind,
  • schreibt und veröffentlicht das Buch,
  • gibt dem Buch einen Preis, der sowohl seinen als auch den Vorstellungen der Leser entspricht,
  • macht das Buch bei Lesern bekannt und weist darauf hin, warum das Buch für diese Leser interessant ist,
  • verkauft und liefert das Buch.

Der letzte Punkt wird oft, aber nicht immer, Buchhändlern und Veröffentlichungsplattformen überlassen. Nicht wenige Autoren verkaufen E-Books auch über ihre eigene Website oder gedruckte Bücher über Läden oder auf Märkten.

Verkaufen

Verkaufen ist also ein Teil des Marketingprozesses. Der Autor oder der Verlag überzeugt den Leser, ein Buch zu kaufen. Der Leser gibt für das Buch Geld, es findet also ein Austausch von Ware gegen Geld statt.

Unterschied

Früher nannte man in Deutschland Marketingaktivitäten Werbung, ein Wort, das wir auch in „Brautwerbung“ wiederfinden. Der Kunde Leser wird wie eine Braut umworben, durch Beobachtungen und Fragen soll herausgefunden werden, was der Kunde Leser mag, wofür er sich interessiert und was er bereit ist zu bezahlen. Kommunikation, Information und das Schaffen von Vertrauen stehen im Mittelpunkt des Marketing.

Für Autoren und Verlage bedeutet dies, dass

  • sie die Neigungen der Leser für bestimmte Handlungen und Erzählstile herausfinden,
  • die Leser in Zielgruppen einteilen,
  • Bücher schreiben und veröffentlichen, die von Inhalt und Aufmachung den Lesern der jeweiligen Zielgruppe zusagen,
  • diese Bücher zu einem angemessenen Preis anbieten.

Um bei der Brautwerbung zu bleiben, beim Verkaufen erkennt der Leser, dass dieses bestimmte Buch für sein späteres Lebensglück notwendig ist und der (Geld-) Preis, den er dafür zu zahlen hat, verglichen mit dem Unglück eines Lebens ohne dieses Buch, verschmerzbar ist.

Diese Bereitschaft muss beim Leser geweckt werden, denn niemand kauft unbesehen das Buch vom Stapel neben der Kasse auf der Basis, dass es da ist und deshalb gekauft werden sollte.

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