Wie wichtig ist die jeweilige Zahl von Verlagsautoren und Indie-Autoren?

 Hin und wieder liest man, dass immer mehr Autoren unabhängig veröffentlichen. Die Berichte rechnen auf, wie viele Autoren nun ohne großen Verlag im Rücken Bücher herausbringen und wie viele genau so einen Verlag suchen und bevorzugen.

Es wirkt so, als gebe es eine gute und eine böse Seite. Welche Seite gut, welche böse ist, darf sich der Leser gelegentlich aussuchen. Oft erhält er eine mehr oder weniger polemisch formulierte Anweisung, welche Sicht der Dinge die richtige und daher die zu übernehmende sei.

Für die meisten Menschen ist die Frage, ob der Autor eines Textes unabhängig veröffentlicht oder über einen großen Verlag, absolut unwichtig. Bei diesen Menschen handelt es sich um Leser. Leser wollen einen guten Text, gut als Printbuch oder E-Book produziert, ansprechend aufbereitet und bezahlbar angeboten. Leser wollen den gewünschten Text einfach erwerben können, und zwar da wo sie am liebsten kaufen: in der Buchhandlung an der Ecke oder in ihrem bevorzugten Online-Shop.

Für Verleger hat die Frage größere Bedeutung. Sie wollen Bücher an Buchhandlungen und Leser verkaufen, und Geld verdienen. Unabhängige Autoren sind Konkurrenten für Verlage. Es sind kleine Konkurrenten, aber jedes verkaufte Buch aus ihrer Produktion könnte als Verlust für die großen Verlage gewertet werden. Die polemisierenden Berichte tun das. So finden sich Sympathisanten für die Verlage und Sympathisanten für die unabhängigen Autoren.

Verlagsautoren geraten dabei leicht zwischen die Fronten. Mal werden sie als Opfer der Verlage dargestellt, mal als Opfer größenwahnsinniger Online-Shops, mal als Abhängige des Verlagssystems, ausgebeutet und unselbstständig.

So treibt die Berichterstattung vieler Medien, bewusst oder gleichgültig, einen Keil zwischen Autoren.

Letztlich schadet diese öffentliche Unterscheidung zwischen Verlagsautoren und unabhängigen Autoren den Autoren insgesamt. Es sollte uns darum gehen, Öffentlichkeit für unsere Bücher und unsere Anliegen zu schaffen. Dazu dürfen wir uns nicht auf die Polemik der Medien einlassen, sondern uns öffnen für die spezifischen Anliegen beider Gruppen.

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