By | 19. August 2018

Exklusivität

Es gibt nach wie vor Leser, die glauben, dass E-Aooks eine Erfindung von Amazon sind und auch nur dort erworben werden können. Meistens lesen diese Menschen keine E-Books, aber sie verbreiten ihre Überzeugungen in Gesprächen  – und gelegentlich auch über die Medien. Das mag ein Grund sein, warum es auch immer wieder Autoren gibt, die glauben, Amazon und sein E-Book-Programm Kindle Direct Publishing zwinge sie zu einer Exklusivität bei Amazon. Dem ist nicht so.

E-Books und Amazon

Amazon ist auch in Deutschland der größte Online-Anbieter für Bücher und E-Books, aber es ist nicht der einzige. Wenn Sie E-Books in Amazons Kindle Direct Publishing-Service Produzieren und Veröffentlichen, besteht Amazon nicht auf Exklusivität. Selbst das Format der E-Books ist nicht exklusiv. Sie haben die Möglichkeit, Ihre E-Books bei anderen Online-Shops oder auf Ihrere eigenen Webseite anzubieten.

Übrigens sind Sie auch nicht exklusiv an Amazon gebunden, wenn Sie sich entscheiden, Ihre E-Books nur dort anzubieten.

Exklusivität entsteht erst, wenn Sie sich entscheiden, Ihre E-Books nur bei Amazon zu veröffentlichen und gleichzeitig im KDP Select-Programm anmelden. Sie können diese Entscheidung treffen, wenn Sie ein E-Book neu bei KDP hochladen oder erst später. Ihr E-Book ist dann für eine Dauer von neunzig Tagen an Amazon gebunden. Wenn Sie nichts weiter unternehmen, verlängert sich die Teilnahme regelmäßig um weitere neunzig Tage.

Die Entscheidung zu KDP Select ist freiwillig und kann rückgängig gemacht werden. Sie als Autor müssen aktiv werden, wenn Sie Ihr E-Book zu KDP Select anmelden oder davon abmelden wollen.

Vorteile der Exklusivität durch KDP Select

Autoren in den USA haben viel mehr Möglichkeiten bei KDP Select als Autoren in Deutschland. Aber auch in den USA wurden die Möglichkeiten über die Jahre langsam abgebaut. In Deutschland können Sie derzeit während einer neunzig-Tage-Periode Werbeaktionen durchführen und das E-Book beispielsweise zu Sonderpreisen oder kostenlos anbieten.

Die für Leser interessanteste Auswirkung der Mitgliedschaft eines E-Books in KDP Select ist die Möglichkeit für Amazon Prime-Kunden, E-Books im Kindle Unlimited-Programm kostenlos auszuleihen. Derzeit erhalten Autoren aus Kindle Unlimited ein Honorar nach gelesenen Seiten.

Nachteile der Exklusivität

In Deutschland hat Amazon durch die Shops und Läden der Tolino-Allianz einen mächtigen Konkurrenten. Da in den Läden der Mitglieder der Tolino-Allianz E-Reader und E-Books beim normalen Einkaufsbummel gekauft werden können, zählen hier auch Leser zu den Kunden, die seltener online einkaufen. Natürlich gehören zu den Lesern auch Menschen schlicht nicht bei Amazon kaufen möchten.

Da zahlreiche Online-Shops und Läden E-Books außerhalb von Amazon anbieten, gibt es eine riesige Leserschaft, die ihre E-Books nur dort kauft. Kunden sind oft einer Marke treu. Wer daran gewöhnt ist, nach der Arbeit in der Filiale eines bestimmten Buchhändlers gedruckte Bücher zu kaufen, kauft am Wochenende E-Books im Online-Shop dieses Buchhändlers. Wer sich exklusiv an KDP und Amazon bindet, erreicht diese Leser nicht.

Exklusivität kann hohe Lese- und Verkaufszahlen bescheren, macht jedoch auch verletzlich für Änderungen bei Kindle Unlimited, KDP Select und auch KDP selbst. Die Umstellung der Bezahlung bei Kindle Unlimited von gelesenen E-Books zu gelesenen Seiten brachte Probleme für Autoren von kurzen E-Books, während sich Autoren von langen E-Books freuten.

So ähnlich das Angebot an E-Books bei Amazon und den anderen großen Online-Shops ist, die Verkäufe nach Genre und Autor fallen teilweise sehr unterschiedlich aus. Autoren berichten, dass sie bestimmte Genres fast ausschließlich bei Amazon oder fast ausschließlich über Mitglieder der Tolino-Allianz verkaufen. Auch da zeigen die Honorar-Abrechnungen, dass über einige Anbieter viele E-Books verkauft werden, über andere dagegen nur wenige.

 

Kommentar verfassen