Ich möchte über reale Menschen schreiben …

Reale Personen erscheinen nicht nur in Biografien oder Autobiografien. Sie schleichen sich, meistens unbewusst, in fiktionale Texte. Autoren verwerten schließlich alles, was sie erlebt haben und lassen es in ihre Texte fließen. Gelegentlich meinen sich dritte Personen in einem Charakter wiederzuerkennen. Fühlen sich diese dritten Personen negativ dargestellt, kann es sein, dass sie versuchen, sich juristisch zur Wehr zu setzen.

Dieser Post erhebt keinen Anspruch auf eine Rechtsberatung. Ich versuche, die Problemlage darzustellen, und nenne weiterführende Links.

Die Rechtssprechung sieht in der Kunstfreiheit ein hohes Gut. Daher ist ein literarisches Werk oder ein Theaterstück grundsätzlich als Fiktion anzusehen. Literarische Werke erheben keinen Anspruch darauf, auf Fakten zu beruhen. Das gilt auch dann, wenn hinter Charakteren des Buches oder des Theaterstücks reale Personen zu vermuten sind.

Nur weil ein Charakter als reale Person erkennbar ist, ist noch keine Persönlichkeitsverletzung gegeben. Das gilt auch bei einer negativen Darstellung.

Die Rechtssprechung erkennt auch an, dass literarische Werke typischerweise reale und fiktive Elemente vermischen. Dem Leser, bzw. dem Zuschauer muss jedoch klar sein, dass kein Tatsachenbericht vorliegt, sondern fiktionale Elemente den realen hinzugefügt wurden.

Wenn die Darstellung Details enthält, die vermuten lassen, dass es sich um reale Handlungen einer realen Person handelt, kann es sein, dass deren Rechte verletzt werden. Dies gilt insbesondere für die Schilderung sexueller Handlungen.

Die Grenzen zwischen der explizit geschützten Kunst und den Rechten der Persönlichkeit sind nicht klar. Sicherheitshalber sollten Autoren reale Personen und ihre Handlungen so verfremden, dass der Text unter einer kunstspezifischen Betrachtung nur einen geringen Wirklichkeitsbezug aufweist.

Beachten Sie jedoch, dass in jedem Land die Gesetzeslage anders ist. Dies ist von Bedeutung, wenn Ihr Roman oder Theaterstück auch im Ausland veröffentlicht wird.

Interessante Links zu dem Thema:

Medien Internet und Recht: Bundesverfassungsgericht

Lawbster: Aus dem Leben der Anderen – Wie sehr darf eine Romanfigur realen Personen gleichen?

Literaturjournal: Kunstfreiheit vs. Persönlichkeitsrecht – ein Drahtseilakt für Autoren

frag-einen-anwalt.de: Persönlichkeitsrecht im Roman

(Für die USA) bookworks.com: Avoiding Defamation & Libel When Using Real People in Your Writing

 

 

Kommentar verfassen