Ich habe keine Lust mehr auf mein Buch – Was kann man da machen?

Unbewusst folgen wir alle einem Ideal: Der Autor am Schreibtisch und schreibt oder tippt mit fliegenden Fingern, versunken in den kreativen Fluss einer Handlung, um mit einem Ruck vor einem fertigen Manuskript zu erwachen. Selbstverständlich ist dieses Manuskript perfekt. Die Realität sieht leider oft anders aus. Szenen kommen nicht in Schwung, Sätze wälzen sich schwerfällig über die Seiten, Wörter verschwinden aus dem inneren Wörterbuch. Und manchmal verschwindet auch die Lust an der Geschichte, und die Zweifel nehmen überhand. Können Sie jetzt noch weiterschreiben?

Wenn Sie sich in so eine Sackgasse hineingeschrieben haben, sollten Sie sich fragen, wie Sie und Ihr Text unbeschadet wieder herauskommen. Es gibt durchaus Fälle, in denen Ihnen das nicht gelingen wird. Das ist kein Scheitern, sondern ein Lernprozess. Schreiben Sie einen anderen Text, voller Freude und Faszination. Doch ehe Sie einen Text und vielleicht Ihren Wunsch zu schreiben aufgeben, können Sie eine Menge tun.

Haben Sie wirklich eine Schreibblockade?

Man liest so viel über Autoren, die bei sich selbst eine Schreibblockade diagnostizieren. Warum sollten nicht auch Sie eine haben? Schreibblockaden sind oft eine Reaktion auf Probleme im und mit dem Text. Vielleicht sind es auch psychologische oder emotionale Gründe, die Sie daran hindern zu schreiben. Den Unterschied sollten Sie klären und sich nicht mit Problemen herausreden, die Sie höchstwahrscheinlich gar nicht haben.

Was können Sie also tun, wenn die Probleme etwas mit Ihrer Idee und dem Text zu tun haben?

Ist Ihre Idee wirklich Schrott?

Wenn Zweifel Sie überwältigen, haften sie sich zuerst an Ihre Fähigkeiten und Ihren Ideen. Voll Enthusiasmus haben Sie in Ihrem Text eine Idee verfolgt, die Ihnen nun gar nicht mehr gefällt und die möglicherweise eine Sackgasse ist. Die Zweifel können auch Ihre Herangehensweise an die Idee betreffen.

Legen Sie den Text eine Weile beiseite und lesen Sie ihn nach ein paar Wochen mit kritischer Distanz. Vielleicht war die Idee wirklich nicht gut. Vielleicht passt die Idee einfach nicht zu Ihnen und Ihrem Stil. Wenn Sie wirklich zu diesem Schluss kommen, haben Sie etwas über sich gelernt. Es war keine vergeudete Zeit, an diesem Text zu arbeiten. Vielleicht entdecken Sie aber mit Distanz einen neuen Ansatz zu der Idee. Dann können Sie, falls Sie das möchten, weiter daran arbeiten.

Gibt es Ihre Geschichte nicht schon hundertfach?

Wahrscheinlich ist das der Fall. Aber Ihr individueller Blickwinkel und Ihre einzigartige Herangehensweise machen Ihre Bearbeitung dieser Idee zu etwas Besonderem. Selbst wenn in der Zeit, in der Sie schreiben, ein Buch erscheinen sollte, dessen Grundidee mit Ihrer identisch ist, schaffen die Wochen zwischen dieser und Ihrer Veröffentlichung neuen Raum für Ihre Bearbeitung dieser Idee.

Sind Ihre Probleme wirklich unlösbar?

Sie haben Ihren Text sorgfältig geplant, doch während des Schreibens merken Sie, dass die Motive ihrer Charaktere fadenscheinig und ihre Aktionen willkürlich sind. Überhaupt erscheinen Ihnen die Zusammenhänge unlogisch und die Tatsachen, auf denen die Handlung beruht, erweisen sich als zweifelhaft. In so einer Lage ist die Meinung Dritter wertvoll. Wenden Sie sich an eine oder zwei Personen, nicht an Ihre gesamten Facebook-Freunde oder alle Mitglieder einer Facebook-Gruppe. Es müssen keine Autoren sein. Schildern Sie die problematische Idee im Detail. Fragen Sie um Rat. Manchmal hilft es schon, das Problem aus dem Kontext der Handlung herauszunehmen und von allen Seiten zu betrachten. Manchmal hilft es auch, darüber zu sprechen und nicht zu schreiben.

Manchmal hilft auch eine Augen-zu-und-durch-Einstellung. Schreiben Sie weiter und warten Sie ab, was Ihr Unterbewusstsein und Ihre Charaktere gemeinsam aus dem Problem machen.

Haben Sie sich nicht einfach übernommen?

Vielleicht ist Ihre Geschichte komplex mit vielen Handlungssträngen, Charakteren und Zeitebenen. Es ist immer hilfreich, ein großes Problem in viele kleine zu zerlegen. Bauen Sie sich so viele Orientierungshilfen, wie Sie benötigen. Beispielsweise können Sie Zusammenhänge grafisch darstellen und über Ihrem Schreibtisch aufhängen, Listen abarbeiten oder mit verschiedenen Farben schreiben, um Handlungsstränge, Ebenen oder Perspektiven zu markieren.  Oder schreiben Sie erst eine Zeitebene, dann eine andere. Schreiben Sie einfach drauflos, drucken dann die fertige Geschichte aus und puzzeln sie auf dem Fußboden in die richtige Reihenfolge.

 

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