Empathie und Mitgefühl – nicht nur zwischen Menschen, sondern auch im Buch

Empathie ist ein Modewort oder auch eine Modefähigkeit, die gern entweder als notwendig gerühmt oder als altruistisch belächelt wird. Wie auch immer Vertreter von Psychotherapie und Marketing den Begriff ausdeuten, Autoren benötigen Empathie, um ihre Charaktere besser kennenzulernen. Anders als im Umgang mit realen Menschen haben wir bei von uns geschaffenen Charakteren nicht die Möglichkeit, durch Nachfragen Zugang zu deren Erfahrungs- und Gefühlswelt zu erhalten. Natürlich entwickeln wir spannende Biografien, die den Charakteren bereits Rollen im Universum unseres Texts zuweisen. doch für Leser glaubwürdig und längerfristig interessant werden sie nur, wenn wir darauf achten, dass Gefühlswelt und Handlungsweise zusammenpassen. Da müssen wir unsere Empathie einsetzen.

Eine medizinische Definition des Begriffs Empathie finden Sie hier.

Wenn wir uns in das Gefühlsleben unserer Charaktere begeben, stehen wir vor anderen Aufgaben als ein Psychotherapeut. Wir wollen zwar auch herausfinden, wie sich ein Charakter fühlt, aber wir tun das, um von den Emotionen auf wahrscheinliche Handlungen und Verhaltensweisen schließen zu können. Das Einlassen auf die Emotionen unserer erfundenen Person verlangt, bis zu einem gewissen Grad zumindest, ein Nachfühlen dieser Emotionen. Dieses Nachfühlen hilft uns zu verstehen, warum unser Charakter auf eine bestimmte Weise agiert und welche Gesten, welche Mimik, vielleicht auch welche sprachlichen Ausdrücke er verwendet.

Viele von uns haben beim Schreiben mit einem Charakter geweint oder wurden mit ihm von großer Wut erfüllt. Hinweise auf solche Erfahrungen finden wir oft in den sozialen Netzwerken. Es ist also weder beschämend noch verwerflich, die Emotionen der von uns geschaffenen Charaktere zu empfinden. Zu unserem Selbstschutz sollten wir es jedoch wie Menschen in medizinischen oder sozialen Berufen halten und uns auch Abstand zu unseren Charakteren gestatten. Das bedeutet ganz praktisch, dass wir nach einer emotional aufreibenden Schreibsitzung etwas für uns tun, etwa Spazierengehen, Sport treiben oder (in Maßen) Schokolade essen.

Star Trek-Fans erinnern sich sicher noch an die Empathin Deanna Troi aus Star Trek Die nächste Generation. Dieser Post von Rosie Varela zeigt auf, wie wir uns empathisch einer Person (oder einem Charakter) annähern können und wie wir gesunden Abstand gewinnen.

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