By | 15. März 2018

Man kann von allem zu viel bekommen – vom Guten wie vom Schlechten. Das gilt auch für die Emotionen, die wir mit unseren Büchern beim Leser wecken möchten.

Stellen wir uns eine tragische Geschichte vor: Sonja ist Anfang dreißig, als ihr Leben zusammenbricht: Sie verliert ihren Job, ihr Partner verlässt sie, ihre Tochter stirbt bei einem Unfall, sie selbst erkrankt schwer. Das klingt nach Leiden auf 300 Seiten.

Doch unsere Lebenserfahrung, und auch die der Leser, sagt uns, dass es selbst an den schrecklichsten Tagen Augenblicke gibt, die nicht ganz so dunkel sind, an denen wir beinahe oder tatsächlich lächeln mussten. Solche Momente braucht eine tragische Geschichte, damit Leser und Charaktere einmal durchatmen können.

Autoren haben die freie Wahl, wie sie solche leichteren Momente in die Handlung einflechten. Es bietet sich an, einen oder mehrere Charaktere zu erschaffen, die aufgrund ihrer Haltung oder ihrer Distanz zu den tragischen Ereignissen für Heiterkeit sorgen können. Vielleicht sind es robuste Persönlichkeiten oder gnadenlose Optimisten, vielleicht haben sie schwarzen Humor, vielleicht auch eine dezente Neigung zu tollpatschigen Aktionen.

Umgekehrt gehen zu viel Witz und Fröhlichkeit selbst dem geneigtesten Leser irgendwann auf die Nerven. So kann der Eindruck entstehen, die Charaktere seien flach und stereotyp. Ein paar Rückschläge haben von keinem Protagonisten geschadet. Auch ein paar wohl platzierte aufrichtige Tränen setzen Akzente und machen die nachfolgenden witzigen Szenen realistischer. Auch Szenen, in denen dem Leser das Lachen im Halse stecken bleibt, können als Dämpfer dienen.

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