By | 19. April 2018

Routine ist das, was wir regelmäßig machen, ohne lange darüber nachzudenken. Auch die von uns erfundenen Personen haben Routinen, gehen bestimmten Tätigkeiten regelmäßig nach. Sollten wir unsere Leser mit diesen Routinen konfrontieren? Was sagen Routinen über die Charaktere aus?

Das Gegenstück zum spannenden Ereignis

Routine, mit ihren implizierten Wiederholungen, stellt das Gegenstück zum unvorhergesehenen und dadurch spannenden Ereignis dar. Wenn wir die regelmäßigen Verrichtungen eines Charakters verfolgen, warten wir auf den Moment, in der die Routine durchbrochen wird. Wir wissen, dass das geschehen muss, und wir wissen, dass dieses Durchbrechen der Alltäglichkeit der Beginn des Abenteuers ist.

Das Warten auf diesen Moment trägt bereits Spannung in sich. Zugleich erfahren wir etwas über den oder die Protagonisten. Dieses Wissen wird uns später nützen, um die Handlung nachvollziehen zu können.

Der verräterische Alltag

Das, was wir über einen Charakter in einer für ihn alltäglichen Situation erfahren, verrät uns viel über seine Gewohnheiten, Stärken, Schwächen und seine Beziehungen zu seinen Mitmenschen. In diesen Situationen gibt sich ein Held nicht heldenhaft, sondern mürrisch oder vielleicht zimperlich. Routinen können auch zeigen, dass der schöne Schein trügt, etwa wenn ein Protagonist an einem Marmeladenfleck reibt, bis sich das Putztuch auflöst, oder eine Protagonistin während des Fensterputzens über die Gewohnheiten der Nachbarn, die sie von der Straße grüßen, nachdenkt.

Während Routinen kontrollieren Menschen ihre Gedanken und Worte weniger als in besonderen Situationen. Gespräche am Frühstückstisch können daher viel über die Anwesenden verraten, ebenso die Überlegungen, die ein Charakter anstellt, wenn er kontrolliert, wessen Jacke nicht am Garderobenhaken hängt, und darüber nachdenkt, was die abwesende Person wahrscheinlich gerade macht.

 

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