By | 14. Juni 2018

Autoren neigen zu Selbstzweifeln. Sie schauen in den Spiegel, sie starren auf den Bildschirm, sie sehen ihre Freunde von schräg unten an und fragen heiser, ob sie denn überhaupt Talent haben. Eine positive Antwort glauben sie maximal zwei Stunden, eine negative Antwort akzeptieren sie. Aber sie schreiben trotzdem weiter. Komische Leute eben. Dieses Weiterschreiben trotz einer negativen Antwort ist vielleicht der erste Hinweis, dass wir Autoren sind. Wir sind nicht zwangsläufig erstklassig. Aber wir haben dieses gewisse Etwas. Durchhaltevermögen.

Das Leben, der Brotjob und die Autorentätigkeit stellen Anforderungen an uns. Zu leicht würde das Schreiben ins Hintertreffen geraten. Doch Autoren kehren immer wieder zu ihrem Text zurück. Autoren schaffen Zeiträume, in denen sie schreiben können. Sie nutzen diese Zeiträume, kurz wie sie manchmal sind. So schreiben sie ihren ersten Entwurf eines Romans. Manchmal über Jahre. Aber sie halten durch.

Wenn der Roman fertig geschrieben ist, beginnt eine neue Phase. In der Überarbeitung stellen wir infrage, was wir vorher geschrieben haben. Wir streichen und ergänzen. Wir prüfen und überprüfen, verwerfen und formulieren um, formulieren neu, kehren zurück zu bereits verworfenen Abschnitten, um diese nochmals zu bearbeiten und nochmals zu verwerfen. Auch das halten Autoren durch.

Ist dann das Manuskript in einem Zustand, in dem es anderen Augen vorgelegt werden kann, wählen wir Testleser und Lektoren, suchen stundenlang nach Agenten oder Verlagen, schreiben Exposés und warten nägelkauend auf eine Antwort. Dieses Spiel wiederholen wir noch einige Male, kehren zurück zum Text zu einer weiteren Überarbeitung, gehen wieder auf die Suche nach Testlesern, Lektoren, Agenten oder Verlagen. Und halten durch.

Wir stehen die Verhandlungen mit Agenten und Verlagen durch oder überwachen selbst das Entwerfen eines Covers, das Setzen eines Papierbuchs und die Erstellung eines E-Books. Wir finden geeignete Plattformen, auf denen wir unser Buch anbieten können, arbeiten uns durch Verträge und Regelwerke und stürzen uns in das Marketing unseres Buches. Selbst das halten wir durch.

Viele Autoren sehen gar nicht, was sie schaffen. Sie starren auf die Probleme, mit denen sie sich herumschlagen. Trotzdem gibt es kein Aufhören, nur ein Pausieren. Und auch diese erzwungenen Pausen halten Autoren durch.

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