By | 25. Oktober 2018

Es ist eine der Grundängste von Autoren, die sogar zu einer Schreibblockade führen kann: die Frage „Gibt es zu viele Autoren?“ Wie berechtigt ist diese Frage?

Zu viele Autoren – Also vom Schreiben abraten?

Oberflächlich betrachtet sprechen die Zahlen dafür, dass es viele, wenn nicht zu viele Autoren gibt. Die Zahl der Neuerscheinungen pro Jahr ist enorm und lässt sich gar nicht mehr als Bücherstapel vorstellen. Allein der Inhalt eines kleinen Buchladens zeigt, wie groß die Konkurrenz ist. Wer dann noch die vielen Autoren bei Facebook zählt, möchte vielleicht ein tiefes Loch graben und sich darin verstecken.

Aber dann gibt es die vielen Leser, die darüber klagen, dass sie keine Bücher finden, die ihnen gefallen. Für solche Leser muss die Zahl der Neuerscheinungen wie Hohn klingen. Und anders betrachtet: Klagt die Welt über zu viele Bäcker, Müllwerker oder Reinigungskräfte? Was passiert, wenn wir Menschen davon abhalten, bestimmte Berufe zu ergreifen? In den 1980er Jahren verkündeten Medien und Politiker im Einklang, es gebe zu viele Lehrer. Viele der Referendare, die mich damals unterrichtet haben, suchten sich nach dem Examen andere Berufe. Zwanzig Jahre später brach das große Jammern aus, weil diese Generation Lehrer fehlte und zu viele Lehrer in Pension gingen. Dieses Jammern hören wir immer noch und sehen den Anlass dafür in den Schulklassen unserer Kinder.

Zu wenig Autoren -Was wäre die Folge?

Nun würde normalerweise keine Zeitung und Kulturmagazin über einen Mangel an Autoren klagen, allenfalls über einen Mangel an Talent und Innovation. Diese Schlagworte erinnern eher an eine Industrie für Autos mit Verbrennungsmotor als an kreative Einzelleistungen.

Die Einzelleistungen sind wohl das Problem von Autoren. Jeder schreibt für sich, jeder ist allein mit seinem Manuskript. So wie jeder Leser allein mit seinem Buch ist.

Es schadet nicht, wenn Autoren sich all den Fragen stellen, die das einsame Schreiben mit sich bringt: Habe ich überhaupt Talent? Bin ich wirklich gut genug? Mögen mich die Leser? Wie erreiche ich mehr Sichtbarkeit für mein Buch? Was mache ich, wenn niemand meine Bücher mag? Aber nachdem alle Fragen gestellt sind, ist es müßig, sie alle zu beantworten. Talent und die Menge an Talent lassen sich nicht messen, die Qualität des Geschriebenen wächst mit jedem Buch, aber nicht in einer geraden Linie. Um die ersten Fragen beantworten zu können, muss ein Autor schreiben, viel schreiben sogar, und dann kann er versuchen, die nachfolgenden Fragen zu beantworten.

Daraus folgt, dass Autoren schreiben müssen, um schreiben zu können. Sie müssen Bücher veröffentlichen, damit möglichst viele Leser die Chance haben, die für sie richtigen Bücher zu lesen. Es kann nicht zu viele Autoren geben. Ein Mangel an Autoren bringt Mangel an Ideen, Mangel an Bildern, Mangel an Anreizen zum Fühlen und Denken, schlussendlich Leere in den Köpfen und Herzen. Von all dem haben wir genug.

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