By | 18. August 2019

Schreibblockade

Eine Schreibblockade fürchten die meisten Autor*innen, und einige erleben tatsächlich die Unmöglichkeit, die Ideen für einen Roman zu finden, eine Handlung zu entwerfen und den Text zu schreiben. Für die meisten Betroffenen ist nur eine Phase des Schreibprozesses blockiert, doch auch diese Schreibblockaden machen das Weiterarbeiten unmöglich. Von daher ist die Vorstellung, eine Schreibblockade sei ein Geschenk, eine Provokation.

Schreibblockade – Ein Geschenk?

Ein Geschenk ist etwas, das überrascht und Freude bereitet. Überraschend mag eine Schreibblockade eintreten, aber bereitet sie auch Freude? Das wohl nicht. Aber sie erlaubt Autor*innen, tiefere Einblicke in ihre Kreativität und ihre Arbeitsprozesse zu nehmen.

Auf diese Weise kann es gelingen, den Grund für die Schreibblockade zu identifizieren und zu beheben.

Schreibblockade – Die Phasen der Kreativität

Kreativität ist kein einheitlicher Block oder kein Guss von Inspiration. Sie kann in Phasen eingeteilt werden, je nachdem in welchem Stadium ein Schreibprojekt steckt.

Bekannt ist das Modell des Mathematikers Henri Poincaré, das auf Beobachtungen seines eigenen kreativen Prozesses beruht.

  • Phase 1: Vorbereitung – In dieser Phase sammeln und notieren Autor*innen Ideen zu einem Roman.
  • Phase 2: Inkubation – In dieser Phase arbeiten Autor*innen nicht aktiv an ihrem Roman. Die Ideen reifen.
  • Phase 3: Geistesblitz – In dieser Phase kommt es zu der plötzlichen Erkenntnis, was in dem Roman passieren und wie er aufgebaut sein sollte.
  • Phase 4: Gestaltung – In dieser Phase schreiben Autor*innen den Roman und überarbeiten den geschriebenen Text.

Unzufriedenheit spielt eine große Rolle, sowohl hinsichtlich der Verbesserungen als auch der Angst, den Roman nie so schreiben zu können, wie er geschrieben werden sollte (bzw. wie bewunderte Vorbilder ihn geschrieben hätten).

Weitere Modelle der Phasen der Kreativität sind hier beschrieben.

Schreibblockade – Stärken und Schwächen

Jeder Mensch hat Stärken in unterschiedlichen Phasen der Kreativität. Einige Autor*innen planen am liebsten, andere schreiben lieber, wieder andere genießen die Überarbeitung des geschriebenen Texts. Diese Vorlieben für eine Arbeitsphase können sich negativ auf andere Arbeitsphasen auswirken und diese im schlimmsten Fall sogar blockieren.

Wenn beispielsweise das Sammeln der Ideen und das akribische Planen der Szenen die meiste Freude bereiten, kann sich die Angst einschleichen, diese wunderbare Planung nie angemessen schreiben zu können. Wenn umgekehrt das eigentliche Schreiben die meiste Freude bereitet, kann sich ein Mangel an ausgearbeiteten Ideen negativ auf das Schreiben auswirken.

Schreibblockade – Wo ist das Geschenk?

Das Geschenk besteht in der Gelegenheit, den eigenen kreativen Prozess zu analysieren und Stärken und Schwächen zu erkennen. Wenn sie ihre Schwächen kennen, können Autor*innen Hilfe suchen, etwa bei Schreibtrainer*innen, Lektor*innen oder anderen Autor*innen. Mit deren Hilfe können sie Strategien entwickeln, mit ihren Schwächen umzugehen.

 

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