By | 22. August 2019

Anfänger

Zur Kreativität finden wir immer wieder den Rat, täglich kreativ zu sein. Für Autoren, vom Anfänger bis zum routinierten Schreiber, bedeutet das täglich zu schreiben. Aber was bringt das eigentlich außer einer Routine, die es uns erlaubt, leichter Zeit für das Schreiben in unserem Alltag einzuplanen? Yi Shun Lai beschreibt auf dem Blog von Jane Friedman, wie sie das Geheimnis um den Sinn des täglichen Schreibens entschlüsselt hat: mit Aquarellmalen.

Anfänger haben einen Traum

Gemeinhin zielen Ratgeber zur Kreativität darauf ab, Menschen zu schulen, ihre Kreativität dann abzurufen, wenn sie sie brauchen. Für Journalisten bedeutet das zum Beispiel, dass sie innerhalb kurzer Zeit aus ihren Quellen einen Text anfertigen können. Für Autoren kann das bedeuten, dass sie mehrere Kurzgeschichten oder gar ganze Bücher im Jahr zu Ende schreiben und zur Veröffentlichung bringen können.

Ziel dieser Ratschläge ist das Anfertigen eines Produkts.

Anfänger denken bei einem fertigen Buch an einen Gegenstand, den sie in die Hand nehmen und anderen zeigen können. Das gedruckte Ding ist ihr Traum, denn das ist etwas, was andere Menschen erkennen und anerkennen können, selbst wenn sie nicht lesen. Das, was auf den Seiten des Buchs liegt, der Text, ist das, woran Schreibanfänger sich abarbeiten und was bei anderen Menschen nicht unbedingt Anklang findet.

Wer anfängt zu schreiben, macht mit der Zeit eine Veränderung durch. Ein Buch ist nicht mehr aus Papier, sondern aus Text. Und an dem Text müssen Autoren, ob Anfänger oder nicht, sich abarbeiten.

Wer profitiert vom regelmäßigem Schreiben?

Immer wenn wir etwas lernen, ermahnen uns unsere Lehrmeister, regelmäßig zu üben. Das klingt nach Arbeit, und Arbeit vermeiden wir. Ein wichtiger Schritt im Lernprozess ist die Erkenntnis, dass tägliches Üben tatsächlich Zuwachs an Wissen und Kompetenz und damit Erfolge bringt. Im Sport sehen wir das an unserer körperlichen Leistungsfähigkeit, in der Musik an unserer Fähigkeit, Noten in Musik umzusetzen, in der Malerei in der Zielsicherheit, mit der wir den Pinsel über das Papier führen und eine Form schaffen, die Betrachter erkennen können.

Wer schreibt, verliert seine Fortschritte leicht aus den Augen. Dabei müssen wir uns nur überwinden, die Rohfassung unseres ersten Manuskripts von Anfang bis Ende durchzulesen. Was auf der ersten Seite noch holperig und steif klingt, hat auf der letzten Seite einen viel volleren, wenn auch noch nicht perfekten, Klang. Zwischen dem ersten und dem letzten Satz haben wir unendlich viel über das Schreiben gelernt, einfach durch das Schreiben selbst. Dieser Fortschritt ist uns selten bewusst, zudem können wir die graduelle Verbesserung meistens gar nicht formulieren.

Wir stellen lediglich fest, dass uns das zweite Manuskript leichter von der Hand geht und auch besser klingt.

Regelmäßiges Schreiben trainiert Autoren, so wie regelmäßiges Training einen Sportler besser macht. Dessen sollten wir uns bewusst sein, wenn wir versuchen, eine Stunde Schreibzeit in unseren Tag zu zwingen. Entsprechend sollten wir Ratgeber zur Kreativität lesen: durch regelmäßiges kreatives Arbeiten lernen wir, auf Abruf hochwertige kreative Leistung zu erbringen und uns in unserem Bereich zu verbessern.

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