By | 5. März 2020

Fiktionale Charaktere

Bei Lesungen taucht immer wieder die Frage auf, ob die Handlung eines Buches auch persönlichen Erfahrungen beruht. Für viele Leser*innen ist es schwer nachvollziehbar, dass eine Handlung und die darin agierenden Personen reine Erfindungen sein sollen. Und so ganz rein erfunden sind nicht alle. Fiktionale Charaktere haben oft reale Menschen als Vorbilder – wenn auch meistens mehr als nur einen Menschen. Aber der Verdacht, in einem Buch als Charakter verarbeitet worden zu sein, treibt einige Menschen um.

Fiktionale Charaktere und ihre realen Vorbilder

Autor*innen sammeln Erfahrungen – eigene und die anderer Menschen, und sogar Erfahrungen von Charakteren in Büchern und Filmen – in einer riesigen Datenbank. Aus dieser Datenbank schöpfen sie, wenn sie Charaktere für ihre Bücher erschaffen. Weder das Sammeln der Erfahrungen noch das Zusammensetzen von Eigenschaften zu einem Charakter geschieht bewusst. Das Ergebnis kann jedoch ein fiktionaler Charakter sein, dessen Ähnlichkeit zu einer realen Person aus dem Umfeld des Autors oder der Autorin zumindest in einigen Aspekten auffällt.

Die Frage ist in solchen Fällen, ob die Ähnlichkeit gewollt ist. Hinzu kommt die Möglichkeit, dass der fiktionale Charakter einer Person ähnelt, die der Autorin oder dem Autor gar nicht bekannt ist. Wenn die Emotionen hochkochen, wird die reale Person auf der Richtigkeit ihrer Behauptungen bestehen.

Fiktionale Charaktere, die realen Personen ähneln sollen

Mitunter möchten Autor*innen eine reale Person in ihrem Buch beschreiben. Dies kann zu viel Ärger, Anfeindungen und sogar Gerichtsprozessen führen. Da es sich um eine bewusste Entscheidung handelt, sollte der Charakter bewusst so verändert werden, dass er nicht mehr auf die reale Person zurückzuführen ist. Namen sollten gar keine Ähnlichkeit mit den tatsächlichen Namen haben, auch das Aussehen des Charakters sollte dem der realen Person nicht entsprechen. Die Handlung sollte ebenfalls keine Wiedergabe der tatsächlichen Ereignisse darstellen. Idealerweise agiert der fiktionale Charakter unter vollkommen anderen Bedingungen als der reale Mensch.

Autor*innen sollten sich auch über ihre Motive, eine reale Person in die Handlung ihres Buches zu integrieren, Gedanken machen. Sind Rachegefühle im Spiel oder wollen sie der realen Person huldigen, weil sie sie bewundern? Soll die reale Person lächerlich gemacht oder als verachtenswert dargestellt werden? Oder hat sie Eigenschaften, die positiv hervorgehoben werden sollten? Reale Personen werden eine negative Darstellung kaum hinnehmen.

 

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