By | 9. April 2020

Schauspieler

Schauspieler und Schauspielerinnen spielen Charaktere, Autor*innen erschaffen und schreiben Charaktere. Die Nähe der beiden Aufgaben lässt fragen, inwiefern nicht auch Autor*innen ihre Charaktere „spielen“, während sie sie im Roman handeln lassen.

Wann und wo spielen Autor*innen?

Die Arbeit von Schreibenden besteht zunächst einmal im Schreiben. Das können Außenstehende beobachten. Aber während des Schreibens, bzw. immer wenn sich Autor*innen mit ihrem Roman beschäftigen, passiert auch etwas in ihrem Kopf. Das sind planende Arbeiten, auch das Planen von Charakteren. Und mit diesem Planen beginnt ein Prozess, der der Vorbereitung von Schauspieler*innen auf ihre Rollen ähnlich ist.

Autor*innen lassen ihre Charaktere handeln. Sie spielen in ihrem Kopf durch, was die Charaktere tun, wie sie es tun, wie sie reagieren und wie das wiederum aussieht. Denn das äußere Erscheinungsbild von Emotionen, Krankheiten, Verletzungen etc. müssen Autor*innen für ihre Leser*innen in Worte fassen. Der Film im Kopf der Leser*innen hat seinen Ursprung im Kopf der Autor*innen.

Um diesen Sprung vom eigenen Kopf in die Köpfe verschiedener Charaktere zu schaffen, benötigen Autor*innen neben Fantasie auch Empathie. Sven Hensel bezeichnet Empathie als den Muskel der Vorstellungskraft, der wie alle Muskeln trainiert werden kann, und der trainiert werden muss, damit Autor*innen lebensechte und lebensecht agierende Charaktere schaffen kann.

Schauspieler und Schauspielerinnen im eigenen Film

Autor*innen sind privilegiert, denn sie dürfen nicht nur Welten, Handlungen und Charaktere entwerfen, sie dürfen das Leben der Charaktere ausgestalten. Parallel zum Schreiben machen sie damit auch die Arbeit von Schauspielern und Schauspielerinnen.

Die Ausgestalten beginnt mit dem Versenken in die Charaktere. Autor*innen überlegen, wie sich eine bestimmte Situation für den einen Charakter anfühlt, sie passen ihre Stimme an, ihre Bewegungen, ihre Stimmung. Und dann wechseln sie zu einem anderen Charakter und durchlaufen den gleichen Prozess mit diesem. In einer Szene mit mehreren Charakteren wechseln Autor*innen während des Schreibens fortwährend in die Köpfe der jeweils agierenden Person.

 

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