By | 5. April 2020

Versagen

Versagen soll Chancen haben? Wir sind alle so sehr darauf trainiert, immer besser und erfolgreicher sein zu wollen. Die Vorstellung von Misserfolg und Versagen macht uns Angst. Das führt dazu, dass wir vielleicht nicht mehr wagen, etwas Neues, Risikoreiches zu beginnen, weil wir nicht versagen wollen. Weil wir uns nicht mit unserer Inkompetenz lächerlich machen wollen. Diese Haltung schadet uns, besonders wenn wir kreativ arbeiten wollen. Vielleicht ist es an der Zeit, unser Verhältnis zum Misserfolg zu überdenken.

Versagen – Von der Unmöglichkeit, immer das Beste zu schaffen

Wer schreiben, malen, musizieren oder anderwärtig kreativ sein möchte, lebt immer mit dem Risiko, nicht den eigenen Ansprüchen oder den Erwartungen anderer gerecht zu werden. Es sind diese anderen – Eltern, Lehrer*innen, Agent*innen, Leser*innen – die uns die Hürden immer höher legen. Zumindest glauben wir das. Wir wollen nicht enttäuschen. Besonders uns selbst nicht.

Die Folge kann Angst vor dem Wagnis sein. Die Panik beim Anblick einer leeren Seite, ob nun aus Papier oder auf dem Monitor des Laptops, lähmt viele Autor*innen.

Umgekehrt besteht die Gefahr, sich an Erfolge zu gewöhnen. Wenn Scheitern keine Option ist, weil nur andere Menschen scheitern, ist der erste Misserfolg eine Katastrophe. Je später im Leben diese Katastrophe eintritt, je verwöhnter wir bislang vom Erfolg waren, desto schwerer fällt es uns, den Misserfolg zu überwinden und etwas Positives daraus zu ziehen.

Scheitern – eine strenge, aber effektive Lehrerin

Kleine Kinder nehmen vermeintliche Misserfolge viel besser hin. Zwar schleudern sie die Figuren eines Brettspiels durch den Raum, wenn sie verloren haben, doch sie werden dieses Spiel wieder und wieder spielen. Wenn es mit dem Fahrradfahren nicht in der ersten Viertelstunde klappt, geben Kinder nicht auf (solange die Eltern sie weitermachen lassen). Irgendwann können sie Fahrradfahren.

Autor*innen können viel von den kleinen Kindern lernen. Wenn es nicht gelingt, einen Roman bis zu seinem geplanten Ende zu schreiben, hat das Gründe. Vielleicht fehlt die Erfahrung. Vielleicht gibt es Ungereimtheiten in der geplanten Handlung. Wenn Leser*innen einen Text nicht mögen, kann das an einer ungeschickten Ausführung liegen, an ungeschliffener Sprache, an einer nicht durchdachten Handlung. Alle diese Mängel können behoben werden. Durch Weiterschreiben, Erfahrungen sammeln, lernen. Eine wichtige Eigenschaft von Autor*innen ist Durchhaltevermögen auch im Falle von Versagen. Darüber liest man wenig im Feuilleton, aber umso mehr auf Hilfeseiten für Autor*innen.

2 Replies to “Versagen und seine Chancen”

  1. Richard

    Ein toller Blogbeitrag. Der Vergleich mit dem Lernprozess von Kindern ruft einem doch immer wieder neu ins Gedächtnis, wie durchhalte-stark wir von Anbeginn an eigentlich waren. Und oftmals muss man sich da einfach nur noch mal dran erinnern, um weiter durchhalten zu können. Um es nochmal neu zu versuchen. Vielen Dank für diese Erinnerung. Liebe Grüße!

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