Krimi als Rätsel – Was muss da rein?

Krimi als Rätsel

Wenn Leser*innen beschreiben sollen, was für sie einen Krimi ausmacht, beschreiben ihn viele als Rätsel. Die Suche nach einer Täterin oder einem Täter empfinden sie als geistige Herausforderung. Was gehört in einen Krimi als Rätsel? Einige der Elemente wollen wir uns ansehen.

Krimi als Rätsel – Verbrechen als Denksportaufgabe?

 

Krimis hatten lange — und in einigen Kreisen haben sie immer noch — einen schlechten Ruf. Es erscheint ja auf den ersten Blick ein wenig fragwürdig: Da geschieht ein Verbrechen, und die Leser*innen begeistern sich für die Suche nach einem Mörder oder einer Mörderin. Andererseits würden wir auch im richtigen Leben immer wieder nachfragen, wie weit die Polizei mit der Aufklärung eines Verbrechens in unserer Nachbarschaft ist. Wir würden die Menschen in unserer Umgebung misstrauisch beobachten und uns eigene Gedanken über die Motive und die Tat machen. Das Genre der Kriminalliteratur spricht etwas in uns an, das keinesfalls immer so moralisch einwandfrei sein kann und will.

Was macht einen Krimi aus?

Die verdächtigen Personen

Wenn wir den Krimi als Rätsel verstehen, brauchen wir etwas zum Raten. Die wichtigsten Fragen sind daher die nach dem Motiv für die Tat und die nach der Täterin oder dem Täter. Dorothy Sayers nannte einen ihrer Krimis „Fünf falsche Fährten”. Darin hatte Sayers adeliger Protagonist fünf Verdächtige, aber anscheinend konnte keiner den Mord begangen haben. Anscheinend.

Fünf Verdächtige sind eine Menge Personen, deren Motive und Möglichkeiten für die Tat untersucht werden müssen. Eine verdächtige Person ist zu wenig. Zwei sind das Minimum, damit das Raten nicht zu einfach wird.

Die nachvollziehbaren Motive

Jeder Mensch hat für seine Taten eine Motivation. Selbst Taten, die den meisten Menschen als irrational erscheinen, haben für die ausführenden Personen einen Grund. Diesen Grund wollen die Leser*innen entdecken und — anhand des Maßstabs der Täterin oder des Täters — verstehen.

Ein Motiv für die Protagonist*innen

Inspektoren und Kommissarinnen werden dafür bezahlt, dass sie Verbrechen aufklären. Doch was treibt das berühmte Lieschen Müller an,  das eigene Leben aufs Spiel zu setzen, um herauszufinden, wer für den Tod eines Menschen in der Nachbarschaft verantwortlich ist?

Leser*innen wollen nicht nur wissen, was die Protagonist*innen antreibt, sie wollen die Gründe nachvollziehen können.

Ein Risiko für die Protagonist*innen

Den Leser*innen ist bewusst, dass ein Mensch, der ein Verbrechen aufklärt, Risiken eingeht. Mitarbeiter*innen der Polizei laufen durchaus Gefahr, als Privatpersonen bedroht zu werden, damit sie beruflich einer Spur nicht weiter nachgehen. Menschen, die — aus welchen persönlichen Motiven auch immer — versuchen, ein Verbrechen zu lösen, gehen noch mehr Risiken ein. Neben der Gefahr für das eigene Leben kann ihr Umfeld bedroht werden. Aber auch die Reaktionen ihres Umfelds bergen Risiken. Nicht jeder Mensch ist glücklich mit den detektivischen Neigungen der Partnerin oder des Partners. Auch Kolleginnen und Kollegen sind vermutlich nicht erfreut, wenn sie wegen Verletzungen auf Verbrecherjagd Überstunden machen müssen.

Ungeachtet der Menge und der Art der Risiken sollte der Protagonist oder die Protagonistin überleben, und zwar auch auf eine nachvollziehbare Weise.

Eine Lösung

Nachdem sie mit den Protagonist*innen gerätselt und gefiebert haben, erwarten Leser*innen eine Lösung. Sie wollen wissen, bei wem die Schuld liegt. Und sie wollen eine Strafe für diese Person. Dies muss nicht eine lebenslängliche Haft sein, schließlich enden Krimis normalerweise nicht erst mit der Urteilsverkündung, die Jahre später erfolgen kann. Es genügt manchmal zu wissen, dass es in Zukunft, zumindest für einige Zeit, schwieriger sein wird, aus den bösen Taten Profit zu ziehen.

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