Bedauern, eine persönliche Entscheidung — kreative Schreibübungen


Bedauern

Willkommen zur dritten der kreativen Schreibübungen in diesem Sommer. Bedauern klingt nach dem Herbst — vielleicht sogar dem Herbst des Lebens. Doch auch der Sommer kann Zeit des Rückblicks auf vermeintliche und echte Fehlentscheidungen sein.

Nicht immer stehen wir mit dem Herzen hinter unseren Entscheidungen, auch wenn wir wissen, dass sie richtig sind. Oft genug waren wir auch zu spontan und machen uns Vorwürfe, zu wenig über die Konsequenzen unseres Tuns nachgedacht zu haben.

Übung 1 — Bedauern nach persönlichen Entscheidungen

Die Entscheidung zwischen Herz und Herz oder Herz und Verstand kann mit objektiv kleinen Einschnitten verbunden sein. Zwar sehen wir unsere Freunde nicht mehr, wenn wir in eine neue Stadt ziehen, doch wir finden bald neue Freundinnen. Wir machen Besuche in der alten Stadt, wir halten über die sozialen Medien Kontakt. Nicht jede Freundschaft hält diese Trennungen aus, nicht jede Liebe kann auf Distanz gedeihen. Was geht in uns vor, wenn aufgrund unserer Entscheidung Beziehungen zerbrechen oder still und leise welken? Wie lange haben wir für diese Entdeckung gebraucht? Können wir die Freundschaften retten? Wollen wir das überhaupt? Welche Folgen hat unser Bedauern für die neuen Freundschaften und Lieben?

Übung 2 — Zweifel an beruflichen Entscheidungen

Wir entschieden nach Faktenlage, jedenfalls waren wir davon überzeugt. Doch wir kannten nicht alle Fakten und nun fragen wir uns, ob die Entscheidung richtig war. Umzukehren ist sie nicht. Oder doch? Nehmen wir das Risiko auf uns, uns wieder zu täuschen? Hängen andere Personen von uns ab? Können wir uns zurückziehen? Wie viel Verantwortung können wir auf andere abschieben? Haben unsere Entscheidungen juristische oder nur finanzielle Konsequenzen?

Übung 3 — Nostalgie nach opportunistischen Entscheidungen

Wir wählten den Weg, der uns geboten schien, auch wenn wir nicht dahinter standen. Wir berücksichtigten die Meinung anderer. Es gab gute Vorbilder. Es gab Empfehlungen. Unsere Ratgeber hatten nur unser Bestes im Sinne, unsere Supervisorinnen hielten uns an, Vor- und Nachteile abzuwägen und auch unsere Gefühle zu berücksichtigen. Doch gerade diese Gefühle lassen uns jetzt keine Ruhe finden. Wir müssen uns arrangieren mit dem, was wir haben. Aber wir spüren, dass es nur zweite Wahl ist.

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