Was ist mit dem Plot?

Plot

Der Titel des Posts hätte auch Was ist mit der Geschichte heißen können. Die Geschichte, die Handlung, die Story oder der Plot, das ist es, was die meisten Menschen suchen, wenn sie ein Buch aufschlagen oder an den Türrahmen gelehnt mit den Nachbarn reden. Das sollten wir ihnen in unseren Büchern geben.

Plot — Oder was suchen die Menschen?

Wir Menschen möchten wissen, dass wir nicht allein sind. Nicht allein im Universum, nicht allein im dunklen Wald, nicht allein in der großen Stadt. Wir fürchten aber auch, dass wir nicht allein sind. Besonders im Universum, im dunklen Wald oder in der großen Stadt. Da sind immer die anderen, die etwas tun. Gegen uns. Mit uns. Für uns? Also sprechen wir mit anderen Menschen in unserer Nähe und sprechen über die anderen, die wir nicht sehen können und vor denen wir uns fürchten. Und mit dem Sprechen wird die Angst etwas kleiner, und die Lust an einer spannenden Geschichte wird größer. Denn die Geschichte geht über andere, nicht über uns. Die in der Geschichte sind in Gefahr. Wir außerhalb der Geschichte wiegen uns in Sicherheit (und genießen die Gefahr der anderen).

Hat jemand behauptet, dass wir die nette Spezies sind?

Wie einfach kann es sein?

Ein anderer Mensch hat ein Problem. Das ist der Kern von beinahe jedem Plot, vom Kinderbuch an. Die große Rübe steckt zu fest im Boden. Weil die Neue mit auf Klassenfahrt geht, können die vier Freundinnen nicht wie abgesprochen zusammen im Vierbettzimmer schlafen. Weil er nur eine kleine Armee-Pension bekommt, kann sich der junge Arzt keine Wohnung in London leisten und sucht einen Mitbewohner. Aus der vermeintlichen Lösung entstehen neue Probleme, vielleicht auch Möglichkeiten. Doch die Möglichkeiten muss man nutzen können, und die neuen Probleme sind vielleicht noch schlimmer als das alte.

Wir Menschen sind neugierig. Wir wollen immer wieder wissen, wie es weitergeht. Was passiert dann? rufen wir und blättern eilig weiter. Solange es weitergeht, sind wir zufrieden. Solange die anderen Probleme haben, können wir unsere Probleme getrost vergessen. Wenigstens, bis das Buch zu Ende ist.

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