Der Anfang – Wie finde ich ihn?

Eine Person steht am See. Mit einem Fernglas sieht sie in die Ferne. Vielleicht ist sie auf der Suche nach einem neuen Anfang.

 

Einen Anfang braucht jedes Buch, jede Geschichte. Das Problem ist, dass wir auch einen Anfang für uns brauchen, damit wir die Geschichte schreiben können, und dazu einen Anfang für die Menschen, die das Buch später lesen. Vielleicht sind es die selben Worte, aber meistens sind sie es nicht. Die ersten Zeilen eines Manuskripts sind ein Testgelände, auf dem im Laufe der Zeit viel passiert.

Ein Anfang für mich allein, damit ich beginnen kann.

Damit wir Text haben, mit dem wir arbeiten können, müssen wir anfangen zu schreiben. Vielleicht schwirrt schon länger, schon seit vor den Planungen für die Geschichte, ein Satz durch unseren Kopf. So ein Satz kann ein Anfang sein. Er öffnet uns die Tür zur Kreativität. Wenn wir angefangen und Text geschrieben haben, können wir die ersten Zeilen oder Abschnitte bearbeiten.

Solche Sätze müssen nicht immer unsere eigenen Sätze sein. Sie können beispielsweise aus Liedern, Büchern oder Serien stammen. In solchen Fällen müssen sie vor der Veröffentlichung geopfert werden, denn sie sind die Schöpfung anderer Personen. Niemand braucht jedoch zu wissen, dass wir sie für unsere Zwecke verwendet haben.

Wenn kein erster Satz vorhanden ist, hilft uns manchmal der Entschluss, einfach zu beginnen. Diese ersten Sätze werden wir mit Sicherheit später streichen. Aber sie haben dann ihre Aufgabe erfüllt und uns in die Geschichte geleitet.

Anfänge für Menschen, die (hoffentlich) mein Buch später lesen

Viel wichtiger ist es, die Sätze, mit denen das Buch wirklich beginnen soll, zu finden.

Hier ist es oft nötig, die Geschichte wirklich gut zu kennen. Manchmal muss die Geschichte fertig geschrieben sein, bis wir verstehen, wie und wann und womit sie eigentlich beginnen sollte.

Um den wahren Anfang zu finden, müssen wir manchmal mehr als nur die ersten Wörter oder Sätze streichen. Es ist durchaus möglich, dass wir uns von den ersten Kapiteln trennen müssen, weil für die Lesenden relevante Ereignisse erst dann eintreten. Beim Lesen des Manuskripts fällt uns das meistens selbst auf. Auch das Urteil von Testlesenden oder einer Lektorin ist hilfreich.

Ein guter Anfang sollte für die Lesenden relevant sein. Sie sollten eine wichtige Person treffen und etwas erleben, das im Laufe des Buches wichtig wird.

Wir können in den Lesenden am Anfang eines Buches falsche Erwartungen wecken. Das birgt das Risiko, dass sie später enttäuscht oder ärgerlich sind, weil sie in unsere Falle getappt sind. Eine kleine Information, die sie in die richtige Richtung lenken könnte, sollten wir unauffällig platzieren, falls die empörten Lesenden den Anfang kontrollieren wollen.

Das allerwichtigste ist jedoch, dass wir unseren eigenen Zugang zum Schreiben finden. Ohne Text keine Lesenden. Wir können uns selbst mit allen Tricks in die Geschichte locken, ehe wir über einen Einstieg für die Lesenden suchen.

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