Entwürfe und verworfene Szenen als Lockmittel

Vor kurzem habe ich in einem Post dazu geraten, Ideen mehrfach zu verwenden. So könnte eine Idee in einer Szene Ihres Romans, in einem Blogbeitrag, einer Collage bei Instagram, einer Kurzgeschichte, einem Gedicht usw. erneut erscheinen. All diese anderen Texte oder Collagen zu erstellen, kostet jedoch Zeit. Was, höre ich Sie fragen, mache ich, wenn mir diese Zeit fehlt? Und wieder sage ich: Recyclen.

Wenn Sie einen umfangreichen Text wie ein Romanmanuskript bearbeiten, kommt mehr als nur einziges Mal der Moment, in dem Sie große Abschnitte, ganze Szenen oder gar Kapitel entfernen. Diese Texte oder Textschnipsel sind viel zu schade, um sie einfach zu löschen. Nichts spricht dagegen, sie in einem entsprechenden Rahmen zu veröffentlichen. Sie eignen sich erstklassig als Appetithäppchen. Ebenso können Sie Lesern die Frage stellen: „Was hätte die schöne Kelly an dieser Stelle tun können?“ Dann liefern Sie mit der getilgten Textstelle eine Variante, die die schöne Kelly nicht gewählt hat.

Auch Szenenentwürfe, die Sie später nicht verwendet haben, interessieren Leser. Sie könnten im Rahmen einer längeren Serie über Ihre Arbeitsweise die verworfene neben die gewählte Version stellen oder erklären, weshalb Sie die verworfene Szene nicht in das fertige Buch übernommen haben.

Leser erleben Bücher normalerweise als fertiges Produkt. Insbesondere bei gedruckten Büchern bilden Text, Cover und Papier eine Einheit. Es fällt Lesern schwer, sich die Handlung losgelöst vom Buch vorzustellen – was vielleicht die zögerliche Annahme von E-Books in weiten Teilen der Leserschaft erklärt. Trotzdem finden sie den Entstehungsprozess interessant und bedauern oft, wie wenig sie darüber wissen. An diesen Wunsch knüpfen Sie an, wenn Sie Einblicke in Ihre Arbeit gewähren und verschiedene Varianten Ihrer Texte oder verschiedene Bearbeitungsstufen nebeneinander anbieten.

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