By | 10. Oktober 2019

Charaktere weiterleben

Wie fühlen Sie sich, wenn Sie Buch zu Ende gelesen, einen Film zu Ende gesehen, oder gar die letzte Folge einer Serie gesehen oder gelesen haben? Da ist wahrscheinlich eine Leere, die Gefüllt werden will. Vielleicht füllen Sie diese Leere, indem Sie die Charaktere weiterleben lassen: in Tagträumen, in Fanfiction oder in eigenen Charakteren in Ihrem neuen Buch.

Charaktere weiterleben lassen – Deine Idee in anderen Köpfen

Nur allzu oft finden wir, dass in einem Roman die falschen Charaktere zusammenkommen, sei es, dass wir andere Favoriten für die Protagonisten haben oder dass ein anderes Paar uns interessanter erscheint. Niemand hindert uns daran, in unserem Kopf die Geschichte neu oder anders zu erzählen. Nicht A und B kommen zusammen, sondern A und C. Nicht die langweiligen und stereotypen A und B stehen im Mittelpunkt unseres Kopfkinos, vielmehr verfolgen wir in unseren Tagträumen C und D, die unberührt von der Last, Protagonisten zu sein, ganz unauffällig ein viel ungewöhnlicheres Leben führen.

Oft genug hat mich der Ärger über falsche Paarkonstellationen zu gedanklichen Abenteuern inspiriert, die sich irgendwann, oft stark abgewandelt, in einem meiner Bücher wiederfanden.

Auch unsere Leser*innen finden die Paare, die wir zusammenbringen oder endgültig trennen, nicht immer gut. Leser*innen sind vielleicht auch unzufrieden mit unserer Entscheidung, einen Charakter sterben zu lassen (manchmal der beste Weg, den Charakter loszuwerden), während andere Charakter weiterleben dürfen. Wenn sich diese Unzufriedenheit in eigener Kreativität der Leser*innen niederschlägt, ist das für uns ein Kompliment.

Alles hat ein Ende

Für uns bedeutet das, dass wir eine Idee (was ist ein Charakter anderes als eine Idee?) auch loslassen können müssen.

Wir dürfen nicht der Versuchung verfallen, Charaktere, die wir oder unsere Leser*innen mögen, in noch und noch ein weiteres Abenteuer zu jagen, wenn wir gleichzeitig spüren, dass unser Enthusiasmus und damit die Qualität der Geschichten und die Liebe der Leser*innen für die Geschichten nachlässt.

Es ist ein schöner Gedanke, dass die eigenen Charaktere in den Gedanken anderer Menschen weiterleben – solange diese Menschen keine Ansprüche an uns als Erschaffer dieser Charaktere stellen.

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