Kurt Vonnegut: 8 Regeln für das Schreiben

 Kurt Vonnegut gehört zu den bekanntesten US-amerikanischen Schriftstellern des 20.Jahrhunderts. Der Sohn deutschstämmiger Eltern arbeitete auch als Journalist und PR-Fachmann. In seinem Essay How to Write with Style (Wie man mit Stil schreibt) weist Vonnegut darauf hin, dass Schriftsteller, anders als Journalisten, in der Sprache ihrer Texte vieles über sich preisgeben. Vonnegut empfiehlt Autoren, sich mit ihrer Sprache auseinanderzusetzen und diese aus Respekt vor den Lesern zu verbessern.

Dazu gibt er acht Regeln von zeitloser Aktualität an die Hand.

1. Schreib über ein Thema, das dir wichtig ist

 Über ein Thema, das die Autorin beschäftigt und welches auch für sie als Person bedeutsam ist, schreibt sie anders als über ein Pflichtthema. Leser spüren das und nehmen das Thema ebenfalls ernst. Jede Art von Text gewinnt über das Thema, nicht über sprachliche Spielereien.

2. Vermeide Langschweifigkeit

Es ist besser, auf den Punkt zu schreiben.

3. Schreibe einfach

Vonnegut erinnert an Hamlets Überlegung „To be or not to be“, die eine existentielle Frage in Worte kleidet, von denen das längste drei Buchstaben umfasst. Ein deutscher Text braucht längere Worte, kann jedoch auch von bedeutungsleeren Wörtern befreit werden.

4. Habe den Mut zu kürzen

Worte dienen der Idee, die sie ausdrücken sollen. Wenn ein Satz trotz brillanter Formulierungen nicht dazu beiträgt, dem Leser einen Gedanken zu vermitteln, sollte die Autorin ihn streichen.

5. Schreibe mit deiner Stimme

Vonnegut glaubt, der natürlichste Schreibstil gehe zurück auf die Sprache, die eine Autorin in der Kindheit gehört hat. Die Sprache der Kindheit behält große Bedeutung, sei es ein Dialekt, eine andere Sprache als die Sprache der Mehrheit oder eine bestimmte regionale Variante.

Diese Haltung hat interessante Konsequenzen, denn der Deutschunterricht schreibt einen gehobenen Sprachstil vor, der keinerlei Anklänge an Dialekte, Slang oder eine andere Muttersprache aufweisen darf. Für viele Schreibzwecke ist so ein unpersönlicher Stil angemessen, wobei die wenigsten Menschen ihn in Reinform umsetzen können. Literatur lebt jedoch von der Persönlichkeit der Autorin, und zu deren Persönlichkeit gehört untrennbar die Sprache der Herkunft.

6. Sage, was du sagen möchtest

Lehrer in aller Welt quälen Schüler mit der Forderung, sich klar und verständlich auszudrücken. Schüler in aller Welt glauben, ihre Lehrer wollen sie im freien Ausdruck von Persönlichkeit und Gefühlslage einschränken. Eines Tages verstehen die meisten von ihnen es plötzlich: Wer Ideen weitergeben will, muss auf eine Weise schreiben, die Lesern nachvollziehbar ist. Spiele und Experimente mit der Sprache haben ihren eigenen Platz dort, wo es weniger um Sinn als um Stil geht.

7. Habe Mitleid mit den Lesern

Die Kunst des Lesens fällt vielen schwer, gleichgültig wie lange sie zur Schule gingen. Aus Rücksicht auf die Leser sollte die Autorin einfach und verständlich schreiben. Dafür darf sie über alle Themen schreiben, die ihr am Herzen liegen.

8. Nutze Nachschlagewerke

Stilwörterbücher und andere Nachschlagewerke, die sich mit Sprachstilen befassen, stehen jedem Interessierten zur Verfügung und sollten auch genutzt werden.

Deutschsprachige Bücher von Kurt Vonnegut finden Sie hier.

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