Die andere Blockade – Wenn man das Manuskript einfach nicht überarbeiten kann

Writer’s Block – die Schreibblockade, die Autoren lähmt, so dass sie nichts zu Papier (oder auf die Festplatte) bringen können, ist bekannt. Dieses Phänomen wird oft diskutiert und nützliche Ratschläge kursieren im Netz. Doch auch nach dem eigentlichen Schreiben kann eine Blockade eintreten, die ebenso frustrierend ist: Die gefühlte Unmöglichkeit, ein fertiggestelltes Projekt zu überarbeiten.

Mit Überarbeiten meine ich nicht eine Korrektur von Rechtschreib- und Grammatikfehlern oder die Suche nach passenderen Formulierungen. Oft ist es nötig, lange Passagen oder ganze Kapitel umzuschreiben. Bei diesen über das mechanische Suchen und Ersetzen hinausgehenden Veränderungen am Text kann auch eine Blockade eintreten. Und wie bei der Schreibblockade ist ein Autor auch in diesem Fall wie gelähmt.

Die Ursachen für die Blockade bei der Überarbeitung sind ebenso vielfältig wie die bei der Schreibblockade. In einem anderen Stadium des Projekts würde sie sich oft als Schreibblockade zeigen. Aber es gibt Aspekte beim Überarbeiten, die diese Arbeit besonders schwierig machen können.

Widerstand – Das “Eigentlich bin ich fertig”-Gefühl

Mit umfassenden Überarbeitungen beginnen Autoren erst, wenn sie einen Text zu Ende geschrieben haben. Wir alle kennen dieses Hochgefühl, wenn wir das letzte Wort geschrieben haben. Auf das Hochgefühl folgt oft eine Leere. Die Welt, die wir bisher parallel zu unserer alltäglichen Welt bewohnt haben, existiert nicht mehr. Ihr Glanz verblasst, kaum dass wir ENDE geschrieben haben. Die Ereignisse dieser Welt, die Bewohner dieser Welt verlassen uns.

In dieser Leere erscheint es manchmal unmöglich, in die fiktive Welt zurückzukehren und sie nachträglich zu verändern. In der realen Welt können wir auch nicht zum letzten Mittwoch zurückkehren und die Ereignisse von 9 Uhr bis 10 Uhr umgestalten. Etwas in uns sperrt sich dagegen, in die Fiktion einzugreifen.

Dagegen kann zeitlicher und räumlicher Abstand helfen. Es ist nie eine gute Idee, sofort nach dem Schreiben mit umfassenden Überarbeitungen zu beginnen. Lesen Sie Ihren Text einmal durch, um Abschied zu nehmen, und legen Sie ihn dann für einige Wochen beiseite. Danach wird es leichter, den Text als etwas Separates und Eigenständiges zu betrachten.

Sinnlosigkeit – Das “Niemand liest das”-Gefühl

Zweifel an den eigenen Fähigkeiten als Autor und an der Akzeptanz durch Leser kann Ihnen den Mut nehmen, Ihren Text noch einmal kritisch zu lesen und zu überarbeiten. Wenn Sie nicht glauben können, dass Ihr Text gut ist und Leser finden wird, erscheint die Überarbeitung als sinnlose Anstrengung.

Auch hier kann zeitliche Distanz helfen. Vielleicht finden Sie einen Testleser, der in der Rohfassung Ihres Textes das geschliffene Werk erahnen und Ihnen mit Hinweisen und Vorschlägen weiterhelfen kann.

Ratlosigkeit – Das “Was wollen die eigentlich von mir?”-Gefühl

Manchmal setzt die Blockade ein, wenn das Schreibprojekt bereits ein fortgeschrittenes Stadium erreicht hat. Sie haben den Text geschrieben und auch schon gründlich überarbeitet. Nun verlangt ein Testleser, eine Lektorin, ein Agent oder irgendeine Person, die Ihnen vielleicht nicht einmal wichtig ist, substantielle Änderungen. Zumindest erscheinen Ihnen diese Änderungen substantiell und so umfangreich, dass Sie sie niemals und bestimmt nicht in der vorgegebenen Zeit vornehmen können.

Das Problem kann in der Formulierung der Änderungswünsche liegen. Was wir nicht verstehen, können wir nicht umsetzten. Das gilt für Schulaufgaben wie Aufgaben im Brotjob und auch für Forderungen an Autoren. In solchen Fällen sollten Sie das Gespräch suchen. Es geht auch um Ihre Absicherung, schließlich könnten Sie den Auftrag zur Überarbeitung falsch verstehen und viel Arbeit in Änderungen investieren, die nicht gewünscht waren. So unangenehm Rückfragen sind, sie verhelfen Ihnen zu mehr Klarheit und können die Blockade aufheben.

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