By | 11. Oktober 2018

DisziplinDer erste Entwurf eines Manuskripts ist die Basis für jede spätere Bearbeitung. Damit steht fest, dass der erste Entwurf viele Veränderungen durchlaufen wird. Er reißt viele Fragen nur an. Daher verlangt es Disziplin, den ersten Entwurf offen zu schreiben und sich nicht von Anfang an in Details zu verheddern. Die Arbeit an den Feinheiten des Manuskripts kommt später in den Entwürfen 2 bis x.

Für mich hat der erste Entwurf zwei Funktionen:

  1. Er reflektiert die Gefühle des Autors beim Schreiben: Überraschung, Wut, Trauer …
  2. Er enthält die wichtigsten Handlungsstränge und Szenen.

Mehr braucht er nicht. Für Autoren verlangt die Arbeit am ersten Entwurf Disziplin. Darunter verstehen die meisten Autoren regelmäßige Arbeitsphasen von angemessener Länge, wenig Ablenkung vom Schreiben, Konzentration und Ausdauer. Doch das ist nur eine Form der Disziplin für den ersten Entwurf.

Zwei Formen der Disziplin … und der Ablenkung

Um ein Manuskript fertigzustellen, muss ein Autor schreiben. Er muss seinen Tag so planen, dass er Zeit zum Schreiben findet, und die Ablenkungen, bzw. Verführungen der Umwelt möglichst gering halten. Der Reiz eines neuen Manuskripts sollte so groß sein, dass ein Autor wie ein frisch Verliebter seine individuelle Strategie zur Ausschaltung dieser Ablenkungen findet.

Der entstehende Text selbst enthält jedoch auch Ablenkungen. Da fehlt ein Wort, da will eine Überleitung nicht gelingen, da steht plötzlich eine neue Frage im Raum und möchte beantwortet werden.

Ich wage zu behaupten, dass die Ablenkungen des Textes die meiste Disziplin verlangen. Wenn sich eine Lösung für ein Problem oder eine Frage nicht schnell anbietet, sollte man eine Notiz machen und weiterschreiben. Der erste Entwurf darf ruhig roh bleiben. Wichtig ist in dieser Phase, überhaupt einen Text niederzuschreiben.

Überarbeitung 2 bis x

Der erste Entwurf mag wie der Beginn der Verliebtheit sein, die Überarbeitung konfrontiert die Verliebtheit mit dem Alltag.

Wenn der erste Entwurf vorhanden ist, beginnt die Phase, in der die äußeren Ablenkungen stärkeres Gewicht haben. Eine Überarbeitung ist weniger reizvoll, dafür streckenweise frustrierend und anstrengend. Der Wunsch nach einer Tasse Kaffee bekommt größeres Gewicht als die Bearbeitung eines Absatzes. Disziplin hält den Autor am Schreibtisch, und Disziplin lässt ihn systematisch die Überarbeitungsphasen durchlaufen. Trotzdem sollten Autoren sich der Verführung des Textes bewusst sein. Eine schriftliche Planung der Arbeitsschritte, am besten als Checkliste kann hier helfen.

Kommentar verfassen